das Magazin 30 gibt es bei uns, an Flughäfen und Bahnhöfen

Alles hat seine Zeit

»Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.« Einer meiner Lieblingssätze von Mahatma Ghandi (1869 –1948) könnte gut der Wahlspruch von apéro sein. Auch bei uns geht es nicht um möglichst viel in möglichst kurzer Zeit, sondern um die Intensität und Dauerhaftigkeit des Erlebten, das bei uns (und Ihnen) nun mal glücklicherweise mit Genuss zu tun hat. In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen Menschen vor, die ebenso denken und für die Genießen – im großen wie im kleinen Rahmen – immer ein gutes Stück Lebensqualität bedeutet.Beginnen wir mit Hans Stefan Steinheuer: Seit rund dreißig Jahren ist dieser Mann für kulinarische Überraschungen gut, immer auf der Suche nach dem Neuen, dem Besseren, aber ohne jemals seine Wurzeln vergessen oder irgendeinen Aktivismus mitgemacht zu haben. Hier kocht er ein Fünf-Gänge-Menü »auf den Wein zu« – unbedingt nachkochen. Kulinarisch ist das große Oper! Apropos Oper: Unsere Autorin Katrin Koch war beim Dresdner SemperOpernball auch hinter den Kulissen aktiv und berichtet, wie Sternekoch Stefan Hermann 2.300 anspruchsvolle Gäste unter außergewöhnlichen (Zeit-) Bedingungen verwöhnte. Aber ich möchte Ihr Augenmerk gern noch in eine andere Richtung lenken: Ich will Ihnen junge Köche vorstellen, von denen Sie möglicherweise noch nie gehört haben, die Sie aber unbedingt im Auge behalten sollten. Alle miteinander sind sie jugendlich stürmisch, dabei aber auf beeindruckende Weise von der traditionellen Küche geprägt. Zum Beispiel Paul Ivić aus dem Wiener Tian. Vom Herd des 36-Jährigen kommen vegetarische und vegane Menüs, bei denen auch Nicht-Vegetarier weder Fleisch noch Fisch vermissen. Im März erhielt das Tian den ersten Michelin-Stern. Oder Tobias Schöpf im Vorarlberger Dalaas. Mit gerade mal 26 Jahren verblüfft er im Poststüberl mit sehr kreativer, dabei konsequent produkttreuer Küche, während seine wunderbar nostalgischen Sonntagsgerichte einen im Wirtshaus seufzen lassen … Und auch die beiden Kärntner Haubenköche Hubert Wallner und Robert Schreiner gehören dazu: Sie ließen wir mit der Stachelannone allein und waren gespannt, was sie daraus zubereiten würden – sehen Sie selbst. Ein besonderes Verhältnis zur Zeit haben drei Männer, die nur eines verbindet – Geduld: Henning 
Stilke wartet alljährlich auf den Mai, um dann in der kalten Ostsee seine geliebten Hornhechte zu angeln. Bäcker René Krause in Dresden lässt seine saftigen Stollen monatelang ruhen, bis sie perfekt sind. Brandneu sind seine Sommerstollen – auch denen gönnt er vier Wochen. Für Senner Horst Meusburger sind 12 Monate Reifezeit für seine handgeschöpften Käse die absolute Zeit-Untergrenze. Ja, und bei unseren Tipps für »Flüchtige Momente« kann man die Zeit auch schon mal ganz vergessen – aber auch das ist eine gute Zeit, findet

Ihre
 Mechthild Piepenbrock-Fischer